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Schauspiel

Schauspielkunst wird im Großen Brockhaus beschrieben als «Kunstform der mimetischen [= nachahmenden] Darstellung von Menschen, Tieren und Gottheiten». Schauspiel — bzw. Theater als übergeordneter Begriff — lässt sich folgendermaßen gliedern:

WAS Stoffe:
imaginäre und reale Inhalte (Themen & Motive) aus allerlei Lebensbereichen und Genres
WIE Gestaltungsmittel:
Sprache, Gesang, Mimik, Gestik, Tanz, Akrobatik, Pantomime, Verkleidung, Masken, Wahl bzw. Konstruktion der Spielstätte, Beleuchtung, Dekoration, Akustik, musikalische Begleitung
Methodik:
Darstellung (Performance, auch Darstellung von abstrakten Sinngehalten), Einblendung (z.B. Mauerschau, Berichte, Zitate, Anspielungen, Symbole, Metaphern), Reflexion (z.B. Kommentare, Metaebene, innerer Monolog), Interaktion mit dem Publikum oder sogar Integration der Zuschauer in das Bühnengeschehen, Verlagerung der Bühne
Stil:
statisch-deklamatorisch versus körperbetont-akrobatisch, natürlich-authentisch versus symbolisch-stilisiert, konservativ versus provokativ (Darstellungkonventionen werden erfüllt oder absichtlich durchbrochen)
WOZU Zwecke:
Selbstzweck (Spieltrieb), Läuterung (Katharsis, Selbsterkenntnis), Unterhaltung (Bestätigung, Nervenkitzel), kultische Verehrung (Werbung um die Gunst bestimmter Gottheiten, Menschen oder stellvertretrender Wesenheiten), Anregung zu gesellschaftspolitisch eigenverantwortlichem Handeln bis hin zu systematischer Provokation und Irritiation

Zum elementaren Verständnis von Theater dienen vier Komponenten: Darsteller, Ort, Zuschauer und Spielinhalt. Das bedeutet: Theater ereignet sich im Grunde bereits an allen definierbaren Orten, wo Zuschauer Darsteller in einer Spielsituation betrachten. Sowohl Schauspieler als auch Zuschauer sollten dabei Fiktion (Spiel) und Realität (Ernst) hinreichend unterscheiden können.

Mit dem Begriff Theater verbindet sich die Vorstellung einer Bühne, also ein hinreichendes Maß an Öffentlichkeit. So umfasste der Begriff bis zum 17. Jahrhundert nicht nur künstlerische, sondern auch religiöse, politische und juristische Veranstaltungen. In der Tat hat das ganze Leben viel mehr Bühnencharakter als gemeinhin angenommen wird. — Leider bzw. glücklicherweise. Außer den alltäglichen Spielarten von "Theater" (Affentheater, Show, Affäre etc.) gibt es fünf Grundformen von Theaterspiel:

Der kulturphilosophische Streit um Wirkung und Stellenwert von Nachahmung (Mimesis) besteht seit Platon und Aristoteles. Dieser Streit führte außerdem dazu, dass — je nach Zeitgeist und gesellschaftlicher Schicht — darstellende Künste und Spiele häufig entweder als irrsinniger Firlefanz verworfen oder als erhabene Lebensart gefeiert wurden. Die Polarität von Rollen- und Klischeehaftigkeit versus authentische Selbstdarstellung löst sich auf, sobald Schauspieler in der so genannten Charakterarbeit